Im Gegensatz zum ersten Bildungsweg ist das Fach Soziologie als eigenständiges Unterrichtsfach in das Unterrichtsangebot des Zweiten Bildungsweges aufgenommen worden.
Die Begründung ist einleuchtend, verfügen doch erwachsene Studierende bereits über umfangreiche gesellschaftlich Erfahrungen, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben oder auch gesellschaftlichen Institutionen. Der Soziologieunterricht am Bergischen Kolleg knüpft an diese Erfahrungen an und baut sie in den Unterricht ein. Das war zwar schon immer so, hat aber heute wegen des beschleunigten sozialen Wandels, dem die Studierendengeneration 2000+ ausgesetzt ist, einen deutlich höheren Stellenwert erlangt. Gesellschaftliche Prozesse, die durch Schlagwörter wie „Individualisierung“ oder „Flexibilisierung“ oder auch „Pluralisierung“ gekennzeichnet werden, erzeugen häufig ein Gefühl der Überforderung, bewirken Zukunftsängste und Identitätsprobleme. Dabei werden die negativen Konsequenzen des gesellschaftlich erzeugten Problemsdrucks sehr häufig als privates Versagen erfahren, als individuelles Defizit interpretiert.
Wie kein anderes Unterrichtsfach kann Soziologie eine Hilfestellung geben, den Zusammenhang zwischen gesamtgesellschaftlichen Prozessen und der persönlichen Lebenssituation des einzelnen durchschaubar zu machen und damit zur Standortbestimmung des einzelnen Studierenden beitragen. Der hohe Stellenwert, den das Fach Soziologie am Bergischen Kolleg besitzt, wird auch darin deutlich, dass es als Leistungskurs gewählt werden kann.

